Wir haben in den letzten Jahren fünf verschiedene Entsafter-Typen durchprobiert, von der 8-Euro-Handpresse bis zum 280-Euro-Slow-Juicer. Die entscheidende Frage ist nicht „schnell oder langsam“, sondern wie viel Zellsaft im Glas landet statt in der Luft zu oxidieren. Bei Zentrifugen wirbeln 15.000 Umdrehungen pro Minute massiv Sauerstoff ein, bei Slow Juicern mit 40 bis 110 Umdrehungen bleibt der Saft vollmundig und hält sich bis zu 48 Stunden im Kühlschrank. Das ist der Kern-Unterschied, nicht nur die Geschwindigkeit.
Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag klingen machbar, sind aber im Alltag oft eine Hürde. Saft löst das Problem teilweise, aber nur wenn der Entsafter zu deinem Bedarf passt. Wer täglich ein Glas Orangensaft will, braucht kein 200-Watt-Gerät mit Pressschnecke. Wer Blattgrün und Sellerie verarbeiten will, wird mit einer Zitruspresse scheitern. Wir zeigen dir, welcher Entsafter-Typ für welchen Einsatz funktioniert und woran du die Saftausbeute erkennst, bevor du kaufst.
Welcher Entsafter passt: Drei Fragen vor dem Kauf
Bevor du dich auf einen Entsafter-Typ festlegst, klärst du drei Dinge: Menge, Pressgut und Nährstoff-Priorität. Die Antworten entscheiden, ob du eine 5-Euro-Handpresse brauchst oder ein 280-Euro-Gerät mit Pressschnecke.
Erste Frage: Einzelglas oder Vorrat? Wenn du täglich ein Glas frischen Saft willst, reicht ein elektrischer Zentrifugenentsafter oder eine Zitruspresse. Wenn du im Sommer 5 Kilogramm Johannisbeeren aus dem Garten versaften und monatelang lagern willst, ist ein Dampfentsafter die einzige sinnvolle Option. Alles dazwischen ist ineffizient.
Zweite Frage: Nur Zitrus oder auch Blattgrün? Zitruspressen funktionieren nur mit Orangen, Zitronen und Grapefruit. Sobald du Äpfel, Karotten oder Sellerie verarbeiten willst, brauchst du einen Zentrifugenentsafter oder Slow Juicer. Für Weizengras und Blattgemüse ist nur der Slow Juicer geeignet, weil Zentrifugen die Fasern nicht ordentlich auspressen.
Dritte Frage: Geschwindigkeit oder Zellsaft-Erhalt? Zentrifugenentsafter liefern in 30 Sekunden einen Liter Saft, aber wirbeln bei 15.000 Umdrehungen pro Minute massiv Luft ein (ExpertenTesten, November 2025). Der Saft oxidiert schnell, schmeckt flacher und muss sofort getrunken werden. Slow Juicer arbeiten mit 40 bis 110 Umdrehungen pro Minute (Grüne Küche, Januar 2025), wirbeln kaum Sauerstoff ein und liefern einen vollmundigeren Saft, der sich 24 bis 48 Stunden im Kühlschrank hält. Wenn du morgens für die ganze Familie presst und abends noch ein Glas trinken willst, ist das ein Argument für den Slow Juicer.
Zentrifugenentsafter: Schnell, laut, für harte Früchte
Der Zentrifugenentsafter ist die am weitesten verbreitete Variante. Die Mechanik ist simpel: Eine Reibscheibe zerkleinert das Obst, dann schleudert die Zentrifugalkraft den Saft bei 15.000 Umdrehungen pro Minute gegen ein Sieb. Die festen Bestandteile bleiben zurück, der Saft läuft klar ab. Das Ganze dauert 30 Sekunden für einen halben Liter.
Die Stärken liegen in der Geschwindigkeit und der Vielseitigkeit. Du kannst ganze Äpfel einfüllen, harte Karotten, Rote Bete, alles was strukturstabil ist. Die meisten Modelle haben eine Einfüllöffnung von 7 bis 8 Zentimetern, das spart Vorschneiden. Die Saftausbeute ist gut, aber nicht maximal. Zentrifugen arbeiten mit 700 bis 1500 Watt (ExpertenTesten, November 2025), das ist Motorleistung, die du bei täglicher Nutzung auf der Stromrechnung siehst.
Die Schwächen sind Lärm, Oxidation und Wärme. Bei 15.000 Umdrehungen entsteht Reibungshitze, nicht viel, aber messbar. Der Saft erwärmt sich leicht, Nährstoffe gehen verloren. Wichtiger ist die Lufteinwirbelung: Der Saft schäumt stark, oxidiert schnell und schmeckt nach zwei Stunden im Kühlschrank bereits flacher. Für sofortigen Verzehr ist das kein Problem, für Meal Prep nicht ideal.
Die Reinigung ist bei den meisten Modellen unkompliziert, alle Teile sind spülmaschinenfest. Achte beim Kauf auf die Lage des Tresterbehälters: Außenliegend ist praktischer, weil du ihn bei großen Mengen zwischendurch leeren kannst ohne das Gerät zu zerlegen. Preissegment: 60 bis 250 Euro (Testsieger.de, Februar 2026). Der SEVERIN ES 3570 ist seit Jahren Preis-Leistungs-Sieger im mittleren Segment.
Slow Juicer: Maximaler Zellsaft bei minimalem Sauerstoff
Der Slow Juicer presst statt zu schleudern. Eine oder zwei Schnecken quetschen das Pressgut langsam aus, ähnlich wie bei einer Knoblauchpresse. Die Drehzahlen liegen zwischen 40 und 110 Umdrehungen pro Minute, manche Modelle schaffen nur 38 (Grüne Küche, Januar 2025). Das ist hundertfach langsamer als ein Zentrifugenentsafter, aber genau das ist der Vorteil.
Bei niedrigen Drehzahlen wird kaum Luft in den Saft eingewirbelt. Der Saft oxidiert minimal, schmeckt vollmundiger und behält mehr Nährstoffe. Slow Juicer liefern circa 30 Prozent mehr Saft aus derselben Menge Pressgut als Zentrifugenentsafter (Bosch, Hersteller-Angabe). Der Trester sollte nahezu trocken sein, das ist das Qualitätsmerkmal. Wenn du den Trester noch auspressen kannst und Flüssigkeit rauskommt, arbeitet das Gerät ineffizient.
Die zweite Stärke ist die Vielseitigkeit bei weichem Pressgut. Slow Juicer können Blattgrün wie Spinat, Grünkohl und Weizengras verarbeiten, auch Kräuter und Sellerie. Zentrifugen scheitern daran, weil die Fasern sich um die Reibscheibe wickeln. Für Saft-Fasten-Kuren mit Gemüsesäften ist der Slow Juicer deswegen die erste Wahl.
Die Schwächen sind Geschwindigkeit, Preis und Vorarbeit. Ein halber Liter Saft dauert 3 bis 5 Minuten, nicht 30 Sekunden. Die Einfüllöffnung ist kleiner, du musst Äpfel vierteln und Karotten halbieren. Kerne müssen vorher raus, sonst verstopft die Schnecke. Die Motorleistung liegt bei 150 bis 400 Watt (ExpertenTesten, November 2025), das spart Strom, aber das Gerät kostet in der Anschaffung 60 bis 300 Euro.
Wichtig beim Kauf: Achte darauf, dass sich das Gerät komplett zerlegen lässt und alle Teile spülmaschinenfest sind. Manche Modelle haben außenliegende Tresterbehälter, das erleichtert das Ausleeren bei großen Mengen. Die Schnecke sollte robust sein, billige Kunststoff-Schnecken verstopfen bei Ingwer oder Nüssen. Manche Hersteller bieten Aufsätze für Frozen Yogurt, Nussmilch oder Nudeln an, das erweitert die Nutzung über Saft hinaus.
Preis-Leistungs-Sieger mit der Note „GUT“ ist der Severin ES 3571. Für höhere Ansprüche an Saftausbeute und Haltbarkeit sind Modelle von Hurom oder Kuvings im oberen Preissegment etabliert.
Dampfentsafter: Hitzeschonend für Massenverarbeitung
Der Dampfentsafter ist die klassische Variante für Obstgarten-Besitzer. Die Mechanik ist simpel: Wasser im unteren Topf wird erhitzt, der Dampf steigt auf und platzt die Zellwände der Früchte im oberen Einsatz. Der Saft sammelt sich im mittleren Topf und läuft über einen Schlauch direkt in sterilisierte Flaschen. Das Ganze dauert 30 bis 60 Minuten, je nach Obstsorte.
Die Stärken liegen in der Durchsatzmenge und der Haltbarkeit. Du kannst 3 bis 8 Kilogramm Früchte auf einmal verarbeiten, je nach Größe des Fruchteinsatzes. Der Saft ist durch die Dampfhitze steril und hält sich ohne weitere Behandlung 6 bis 12 Monate. Das ist bei keinem anderen Entsafter-Typ möglich. Die Vorbereitung ist minimal: Früchte waschen, große Früchte wie Äpfel vierteln, Kerne können drin bleiben wenn du nur Saft willst. Der Trester ist ein Mus, das du zu Apfelmus oder Marmelade weiterverarbeiten kannst.
Die Schwächen sind Hitze und Effizienz. Bei 75 Grad Celsius gehen 10 bis 30 Prozent Vitamin C verloren (Dampfentsafter.eu, Bundesforschungsanstalt-Quelle). Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A bleiben komplett erhalten, aber der Saft ist weniger nährstoffreich als kaltgepresster Saft. Das ist der Kompromiss für die lange Haltbarkeit. Der Dampfentsafter lohnt sich nur ab 3 Kilogramm Pressgut aufwärts, darunter ist der Energieaufwand unrentabel.
Es gibt zwei Varianten: Modelle für die Herdplatte und Geräte mit integriertem Heizmodul. Herdplatten-Modelle sind günstiger und funktionieren auf jedem Herd, auch Induktion. Geräte mit eigenem Heizmodul kannst du im Garten betreiben, solange eine Steckdose in der Nähe ist. Preissegment: 40 bis 150 Euro (Testsieger.de, Februar 2026). Wichtig beim Kauf: Der Schlauch sollte hitzebeständig sein und ein Ventil haben, damit du die Flaschen kontrolliert befüllen kannst.
Der gewonnene Saft ist sehr konzentriert. Du kannst ihn vor dem Trinken mit Wasser verdünnen, er schmeckt trotzdem intensiv. Für Wintervorrat aus Sommerobst ist der Dampfentsafter konkurrenzlos.
Zitruspressen: Spezialist für Orangen, Zitronen, Grapefruit
Zitruspressen sind die einfachste Variante, aber nur für Zitrusfrüchte geeignet. Die Mechanik ist immer gleich: Ein gerippter Kegel wird auf die halbierte Frucht gedrückt, der Saft läuft durch ein Sieb in einen Auffangbehälter. Der Unterschied liegt nur in der Kraftquelle.
Die günstigste Version ist die Handpresse für unter 5 Euro. Du drehst die Orange auf dem Kegel nach links und rechts, fertig. Für ein Glas Saft am Morgen reicht das, für größere Mengen bekommst du Unterarmschmerzen. Es gibt auch Hebelpressen, die funktionieren schneller und brauchen weniger Drehbewegung, kosten aber 20 bis 50 Euro.
Elektrische Zitruspressen arbeiten mit Motor, der Kegel dreht sich automatisch. Du hältst die Frucht nur fest und drückst leicht. Das ist kraftsparender und schneller. Achte beim Kauf auf die Größe des Auffangbehälters und die Höhe des Saftauslasses. Manche Modelle haben einen zu niedrigen Auslass, dann passt dein Lieblingsglas nicht drunter. Wichtig ist außerdem ein stabiler Stand, billige Modelle rutschen beim Pressen.
Die Philips HR2752/90 Essential wurde in Tests besonders für die Saftausbeute gelobt. Preissegment: 20 bis 70 Euro für elektrische Modelle (Testsieger.de, Februar 2026). Die Reinigung ist bei allen Varianten unkompliziert, die meisten Teile sind spülmaschinenfest.
Die Grenze ist klar: Sobald du andere Früchte oder Gemüse pressen willst, brauchst du einen anderen Entsafter-Typ. Für Orangen zum Frühstück ist die Zitruspresse aber die effizienteste Lösung.
Thermomix als Entsafter: Notlösung ohne Spezialaufsatz
Der Thermomix kann entsaften, aber es ist keine seiner Stärken. Die Standard-Methode ist umständlich: Obst im Varoma dampfgaren, der Saft tropft in eine Schüssel im Garkörbchen, die du alle 15 Minuten ausleeren musst. Das dauert eine Stunde für einen Liter Saft und liefert gedämpften Saft mit Vitaminverlust, ähnlich wie beim Dampfentsafter, nur ineffizienter.
Es gibt einen Entsafter-Aufsatz für den Thermomix, der die Arbeit erleichtert. Damit funktioniert das Entsaften ähnlich wie mit einem Slow Juicer, aber die Saftausbeute bleibt niedriger als bei einem dedizierten Entsafter. Wenn deine Küche keinen Platz für ein zusätzliches Gerät hat, ist der Aufsatz eine Option. Wenn du regelmäßig Saft machen willst, lohnt sich ein echter Entsafter mehr.
Für Smoothies ist der Thermomix deutlich besser geeignet als für klaren Saft. Du mixt Obst und Gemüse mit Flüssigkeit und erhältst einen sämigen Smoothie mit Fruchtfleisch. Das funktioniert besonders gut mit weichen Früchten wie Mango, Papaya oder Bananen, die sich in klassischen Entsaftern nicht gut verarbeiten lassen.

Entsaften im Thermomix®
Zutaten
- 700 g Wasser
- 1 kg Obst z. B, Holunderbeeren, Kirschen, Äpfel
Anleitungen
- Wasser in den Mixtopf geben. Garkörbchen in den Mixtopf einhängen. Die hitzebeständige Schüssel (die den Garkorb ausfüllt) in das Garkörbchen legen.700 g Wasser
- Früchte in (es muss nicht entstielt und entkernt werden) den Varoma geben und 60 Minuten/Varoma/Stufe 1 entsaften.1 kg Obst
- Mache alle 15 Minuten eine Pause und fülle den Saft aus dem Schüsselchen im Garkörbchen um.
- Inzwischen Flaschen sterilisieren.
- Fülle den Saft in die sterilen Flaschen ab.
Rezept-Zubehör
Notizen
Nährwerte
Dieser Entsafter-Aufsatz erleichtert das Entsaften im Thermomix deutlich, bleibt aber eine Kompromisslösung. Für ernsthaftes Entsaften sind die anderen Typen die bessere Wahl.
Kaufentscheidung: Trester-Trockenheit, Einfüllöffnung, Spülmaschine
Wenn du dich für einen Entsafter-Typ entschieden hast, prüfst du vor dem Kauf drei konkrete Dinge: Trester-Trockenheit, Einfüllöffnung und Reinigungsaufwand.
Trester-Trockenheit ist das Qualitätskriterium. Der Trester sollte nahezu trocken sein, wenn du ihn ausdrückst darf keine Flüssigkeit mehr rauskommen. Das zeigt maximale Saftausbeute. Bei Zentrifugenentsaftern ist der Trester oft noch feucht, bei guten Slow Juicern trocken wie Sägemehl. Das ist der Unterschied zwischen 70 und 90 Prozent Ausbeute.
Die Einfüllöffnung entscheidet über den Vorbereitungsaufwand. Zentrifugenentsafter haben oft 7 bis 8 Zentimeter Durchmesser, da passen ganze Äpfel durch. Slow Juicer haben kleinere Öffnungen, du musst Äpfel vierteln und Karotten halbieren. Wenn du täglich Saft machst, ist das ein spürbarer Zeitunterschied.
Die Reinigung muss intuitiv sein. Achte darauf, dass sich das Gerät komplett zerlegen lässt und alle Teile spülmaschinenfest sind. Manche Slow Juicer haben viele kleine Bauteile, die sich schwer zusammensetzen lassen. Wenn die Reinigung zu aufwändig ist, nutzt du das Gerät seltener. Teste vor dem Kauf ob du die Schnecke oder die Reibscheibe leicht rausnehmen kannst.
Zusätzliche Kriterien: Motorleistung bei Slow Juicern sollte mindestens 150 Watt betragen, sonst verstopft die Schnecke bei hartem Pressgut. Bei Zentrifugenentsaftern ist ein außenliegender Tresterbehälter praktischer, weil du ihn bei großen Mengen zwischendurch leeren kannst. Und prüfe ob der Saftauslauf hoch genug ist für dein Lieblingsglas.

Die Entscheidung zwischen den Entsafter-Typen hängt von drei Fragen ab: Wie viel Saft willst du machen, welches Pressgut verarbeitest du und wie wichtig ist dir Nährstofferhalt gegenüber Geschwindigkeit. Für ein Glas Orangensaft am Morgen reicht eine elektrische Zitruspresse für 30 Euro. Für tägliche Gemüsesäfte mit maximaler Nährstoffdichte ist ein Slow Juicer die richtige Wahl. Für Massenverarbeitung aus dem Obstgarten ist der Dampfentsafter konkurrenzlos. Der Thermomix kann als Notlösung dienen, ist aber bei keiner dieser Aufgaben wirklich gut.
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