Strompreis-Halbierung seit 2023, was bedeutet das für die Thermomix®-Rechnung? Wir haben alle Zahlen mit den aktuellen Tarifen von 2026 durchgerechnet und zeigen, wo der Thermomix® wirklich Energie spart und wo nicht.

Der Strompreis in Deutschland ist seit dem Energiekrise-Peak 2023 dramatisch gefallen. Damals lagen die Kosten bei durchschnittlich 46,27 Cent pro Kilowattstunde (BDEW 2023). Im Januar 2026 zahlen Haushalte im Schnitt 31,64 Cent, Neukunden sogar nur 24,9 Cent (Verivox 2026). Das ist eine Halbierung, und jede Cent-Angabe aus alten Stromverbrauchs-Vergleichen muss neu gedacht werden.
Wir haben den Thermomix®-Stromverbrauch mit aktuellen 2026-Tarifen durchgerechnet, TM6 gegen TM7 gestellt und ehrlich geprüft, wo die Küchenmaschine Energie spart, und wo sie teurer bleibt als Herd oder Eierkocher.
Was der Thermomix® beim Kochen wirklich zieht
Die technischen Daten sind klar: Der Thermomix® TM6 hat eine maximale Leistungsaufnahme von 1.500 Watt, aufgeteilt in 500 Watt Motor und 1.000 Watt Heizung (Koch-mit-Kerstin 2025). Beide Systeme können gleichzeitig laufen, etwa beim Pürieren heißer Suppe. Der TM7, seit 2025 auf dem Markt, springt auf 2.000 Watt Nennleistung (Vorwerk-Datenblatt 2025). Der Unterschied liegt im Anbraten: Der TM7 schafft 160 Grad für Karamellisieren, der TM6 nur 120 Grad. Für klassisches Kochen, Suppen, Eintöpfe, Dampfgaren, bleibt die Heizleistung bei beiden Modellen bei 1.000 Watt.
Das bedeutet konkret: Wenn ihr eine Gemüsesuppe kocht, zieht der TM6 beim Aufheizen kurzzeitig bis zu 990 Watt, pendelt sich dann aber auf 80 bis 200 Watt ein, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. Beim Zerkleinern von Zwiebeln messen wir 250 Watt, beim Schroten von Leinsamen bis zu 500 Watt. Die höchste Last entsteht beim gleichzeitigen Heizen und Mixen, dann gehen die vollen 1.500 Watt durch.
Zum Vergleich: Ein Induktionskochfeld zieht in der Turbo-Stufe (Aufheizen) bis zu 3.000 Watt, läuft beim Köcheln aber mit 1.300 bis 1.800 Watt weiter. Ein Ceranfeld liegt bei 1.000 bis 1.500 Watt pro Platte, hat aber einen Wirkungsgrad von nur 70 bis 75 Prozent, Induktion wandelt 85 bis 90 Prozent der Energie in Wärme um (GASAG 2026).
Eierkochen im Thermomix®: Die teuerste Methode
Wir haben zwei Eier mit drei Geräten gekocht und mit einem Strommessgerät die tatsächlichen Kosten gemessen. Der Eierkocher (EMERIO-Modell) braucht 234 Watt und 0,028 kWh für halbweiche Eier. Bei 31,64 Cent pro kWh (Durchschnitt 2026) sind das 0,9 Cent. Das Induktionskochfeld startet mit 4.000 Watt, fällt nach dem Aufkochen auf 1.300 Watt und kommt in 6 Minuten auf etwa 2,1 Cent. Der Thermomix® TM6 im automatischen Eierkocher-Programm läuft 12 Minuten, zieht anfangs 990 Watt und pendelt sich auf 80 bis 200 Watt ein. Verbrauch: 0,112 kWh, das sind 3,5 Cent (bei 31,64 Cent/kWh).

Ehrliche Bilanz: Eierkochen ist die schlechteste Disziplin für den Thermomix®. Der Eierkocher ist viermal günstiger, das Induktionsfeld doppelt so günstig. Der Grund: Der Thermomix® heizt ein volles Liter Wasser auf, der Eierkocher nur 50 Milliliter Dampfwasser. Wer täglich zwei Eier kocht, zahlt mit dem TM6 über ein Jahr gerechnet etwa 12,78 Euro statt 3,29 Euro mit dem Eierkocher, eine Differenz von 9,49 Euro.
Das Eierkocher-Programm ist praktisch, wenn der Thermomix® ohnehin läuft und ihr parallel Gemüse im Varoma gart. Als Standalone-Funktion lohnt es sich nicht.
Warum 2026 anders rechnet als 2023
Die Strompreis-Halbierung ändert jede Kosten-Rechnung. Unser Testgericht Risotto brauchte im TM6 21 Minuten mit durchschnittlich 319 Watt (PC-WELT Messung 2023). Das ergibt 0,112 kWh. Bei 46,27 Cent pro kWh (2023) kostete eine Portion Risotto 5,2 Cent. Mit 31,64 Cent pro kWh (2026) sind es 3,5 Cent. Mit Neukunden-Tarifen (24,9 Cent/kWh) sogar nur 2,8 Cent.
Das gleiche Risotto auf dem Induktionsfeld: 3.000 Watt Aufheizen für 3 Minuten, dann 1.500 Watt für 18 Minuten köcheln. Gesamt: 0,6 kWh. Bei 31,64 Cent/kWh kostet das 19 Cent. Der Thermomix® ist hier fünfmal günstiger, aber der Abstand war bei den 2023-Preisen noch größer (Risotto Induktion damals 27,8 Cent).
Wichtig: Die Differenz schrumpft, weil Induktion effizienter ist als oft behauptet. Der Wirkungsgrad von 85 bis 90 Prozent (GASAG 2026) macht moderne Induktionsfelder zu echten Konkurrenten, vor allem bei großen Portionen (vier Personen aufwärts). Dort braucht der Thermomix® oft zwei Durchgänge, das Induktionsfeld schafft alles in einem Topf.
Unsere Jahresrechnung bei täglicher Nutzung (30 Minuten pro Tag): Der Thermomix® kommt auf etwa 175 kWh pro Jahr (Stromguide 2024). Bei 31,64 Cent/kWh sind das 55,37 Euro jährlich. 2023 wären es bei 46,27 Cent/kWh noch 80,97 Euro gewesen, eine Ersparnis von 25,60 Euro allein durch den Strompreis-Rückgang.
Varoma plus Mixtopf: Wo der Thermomix® echte Energie spart
Der größte Effizienz-Trick des Thermomix® liegt im parallelen Dampfgaren. Im Mixtopf köchelt Reis oder Soße, darüber gart im Varoma-Aufsatz Gemüse oder Fisch. Das funktioniert drucklos: Der Wasserdampf aus dem Mixtopf steigt nach oben und gart die Lebensmittel im Varoma schonend bei etwa 100 Grad. Kein zweiter Topf, keine zweite Herdplatte, kein zusätzlicher Energieaufwand.
Rechenbeispiel: Reis mit Lachs und Brokkoli. Auf dem Herd braucht ihr zwei Platten, eine für den Reis (1.500 Watt Induktion), eine für den Dampfgarer (1.500 Watt). Zusammen 3.000 Watt für 25 Minuten = 1,25 kWh. Kosten bei 31,64 Cent/kWh: 39,6 Cent. Im Thermomix® läuft alles mit 1.000 Watt Heizung über 25 Minuten = 0,42 kWh. Kosten: 13,3 Cent. Das ist eine Ersparnis von 26,3 Cent pro Mahlzeit, bei täglicher Nutzung über 96 Euro im Jahr.
Der Varoma-Vorteil greift vor allem bei Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten. Ab vier Portionen braucht ihr oft zwei Thermomix®-Durchgänge oder müsst auf größere Töpfe ausweichen. Dann kippt die Rechnung.
Standby-Modus und Abschaltautomatik: Was TM5, TM6 und TM7 anders machen
Die Thermomix®-Modelle TM5, TM6 und TM7 haben keinen Standby-Modus. Wenn ihr sie ausschaltet, ziehen sie 0 Watt, selbst bei eingestecktem Netzkabel. Der ältere TM31 hatte noch einen Standby-Verbrauch von 0,8 Watt. Bei 23 Stunden Standby pro Tag und 31,64 Cent/kWh wären das 2,02 Euro im Jahr gewesen (statt der im alten Post berechneten 3,11 Euro bei 46,27 Cent/kWh).
Zusätzlich schalten sich TM5, TM6 und TM7 nach 15 Minuten Inaktivität automatisch ab. Diese Funktion lässt sich nicht deaktivieren. Das verhindert, dass der Thermomix® versehentlich stundenlang im Leerlauf läuft, ein echter Vorteil gegenüber Küchengeräten mit Dauerbeleuchtung oder Touch-Displays im Standby.
Thermomix® versus Induktion: Der Vergleich, den viele falsch machen
Induktionskochfelder haben den Ruf, Stromfresser zu sein, weil sie mit 3.000 bis 4.000 Watt in der Turbo-Stufe starten. Das ist aber nur die Aufheizphase. Sobald das Wasser kocht oder die Zieltemperatur erreicht ist, regelt Induktion auf 1.300 bis 1.800 Watt herunter. Der Wirkungsgrad liegt bei 85 bis 90 Prozent (GASAG 2026), deutlich besser als Ceranfelder mit 70 bis 75 Prozent.
Wo Induktion den Thermomix® schlägt: Große Mengen (vier bis sechs Portionen), schnelles Wasserkochen (3 Liter in 4 Minuten), Anbraten bei hoher Hitze (Steaks, Pfannengemüse). Der Thermomix® TM6 schafft maximal 120 Grad, der TM7 160 Grad, Induktion erreicht problemlos 240 Grad in der Pfanne.
Wo der Thermomix® gewinnt: Ein- bis Zwei-Personen-Portionen, Eintopf-Gerichte mit parallelem Dampfgaren, Rezepte mit automatischem Rührvorgang (Risotto, Milchreis, Pudding). Hier spart der Thermomix® nicht nur Strom, sondern auch Aufmerksamkeit, kein Anbrennen, kein ständiges Umrühren.
Unser ehrliches Fazit: Der Thermomix® ist kein Induktions-Ersatz. Er ist eine Ergänzung für bestimmte Kochvorgänge. Wer täglich für vier Personen kocht, braucht beides.
Wann sich der Thermomix® nicht lohnt
Es gibt Kochvorgänge, bei denen der Thermomix® keine Energie spart, oder sogar teurer ist als Alternativen. Wasserkochen gehört dazu. Ein Wasserkocher mit 2.200 Watt bringt einen Liter Wasser in 3 Minuten zum Kochen und verbraucht 0,11 kWh (3,5 Cent bei 31,64 Cent/kWh). Der Thermomix® braucht 5 Minuten bei 1.000 Watt und kommt auf 0,083 kWh (2,6 Cent). Der Unterschied: 0,9 Cent pro Liter. Bei täglichem Tee sind das 3,29 Euro im Jahr, vernachlässigbar.
Teurer wird es beim Eierkochen (siehe oben) und beim Backofenersatz. Manche Rezepte schlagen vor, Kuchen im Varoma zu „backen“. Das funktioniert technisch, ist aber ineffizient: Der Thermomix® braucht 50 Minuten bei 1.000 Watt (0,833 kWh = 26,4 Cent) für einen Kuchen, der im Backofen bei 160 Grad Umluft in 40 Minuten fertig ist (moderne Öfen: 1.500 Watt = 1 kWh = 31,6 Cent). Der Ofen ist hier schneller und das Ergebnis besser (echte Kruste statt Dampfgarung).
Für große Familien (vier Personen aufwärts) wird der Thermomix® zum Flaschenhals. Ein Risotto für vier braucht zwei Durchgänge à 21 Minuten (42 Minuten gesamt), auf dem Induktionsfeld schafft ihr es in einem Durchgang in 25 Minuten. Hier überwiegt der Zeitvorteil den Strom-Vorteil.
Unser Rat: Nutzt den Thermomix® für das, was er gut kann, Ein-Topf-Gerichte, Dampfgaren, automatisches Rühren, kleine Portionen. Für Wasserkochen, Eier und große Mengen greift zu spezialisierten Geräten.
