Himbeer-Eierlikör aus dem Thermomix® ist eine von mehreren fruchtigen Eierlikör-Varianten, die wir seit Jahren machen. Der Unterschied zum klassischen Eierlikör liegt in einem einzigen Schritt: Himbeeren werden erst zu Mark verarbeitet, die Kerne müssen durch ein Sieb gestrichen werden, bevor das Mark in den Mixtopf zurückkommt. Ohne diesen Sieb-Schritt bleibt der Likör körnig und die Himbeer-Kerne setzen sich in der Flasche ab.

Das Rezept funktioniert mit frischen Himbeeren genauso wie mit aufgetauten TK-Himbeeren. Wir verwenden meist TK-Ware, weil die Saison für frische Himbeeren kurz ist und der Geschmack im Likör identisch bleibt. Die Himbeeren werden mit Zucker zu Puderzucker-Himbeermasse püriert, durch ein feines Sieb gestrichen und dann mit Eigelb, Sahne, Vanillezucker und Himbeergeist bei 70 °C zu Likör eingekocht.
Warum der Sieb-Schritt entscheidend ist
Himbeeren bestehen aus kleinen Steinfrüchtchen mit harten Kernen. Diese Kerne werden beim Pürieren auf Stufe 8 zwar zerkleinert, aber nicht aufgelöst. Sie schwimmen in der Masse mit und setzen sich später in der Flasche als griesiges Sediment ab. Das beeinträchtigt die Textur beim Trinken und macht den Likör optisch weniger ansprechend.
Ein feines Sieb hält die Kerne zurück und lässt nur das Himbeermark durch. Das Durchstreichen dauert etwa 2 Minuten und erfordert etwas Druck mit dem Spatel. Das Ergebnis ist ein vollständig glattes Mark ohne jede Körnung. Dieser Schritt ist bei Himbeeren Pflicht, bei Erdbeeren optional und bei Bananen oder Mango unnötig.

70 °C halten die Eigelb-Textur stabil
Eierlikör wird traditionell mit Eigelb gebunden. Das Eigelb liefert Fett und Lecithin, beides sorgt für die cremige Emulsion. Der kritische Punkt liegt bei der Temperatur: Über 75 °C gerinnt das Eigelb und die Masse wird klumpig. Bei unter 65 °C bleibt die Masse zu dünnflüssig und bindet nicht richtig ab.
Wir erhitzen die Masse auf 70 °C für 10 Minuten bei Stufe 3. Diese Einstellung hält die Temperatur konstant im sicheren Bereich und rührt gleichzeitig sanft genug, dass die Emulsion nicht bricht. Linkslauf ist hier nicht nötig, weil keine empfindlichen Stücke geschützt werden müssen. Die Sahne wird zusammen mit dem Eigelb erhitzt und nicht separat geschlagen.
Himbeergeist oder Wodka
Himbeergeist ist eine klare Spirituose aus fermentierten Himbeeren mit 40 bis 45 Vol.-%. Der Geschmack ist intensiv himbeerig und leicht herb. Himbeergeist verstärkt das Himbeearoma im Likör, während Wodka neutral bleibt und die Frucht nur trägt. Wir verwenden meist Wodka, weil Himbeergeist teurer ist und der Unterschied im fertigen Likör gering ausfällt.
Rum funktioniert ebenfalls, bringt aber eine Karamell-Note mit, die das Himbeeraroma überlagert. Wenn Himbeergeist verwendet wird, reichen 200 g Alkohol statt 300 g, weil die Spirituose selbst schon Himbeergeschmack liefert.
Lebensmittelfarbe ist optional
Himbeeren verlieren beim Erhitzen ihre intensive rote Farbe. Das fertige Himbeermark ist bräunlich-rosa, der Likör nach dem Vermischen mit Sahne und Eigelb eher beige. 5 bis 10 Tropfen rosa oder rote Lebensmittelfarbe geben dem Likör eine kräftigere Farbe zurück. Das ist rein optisch und hat keinen Einfluss auf den Geschmack.
Wir verwenden die Farbe bei Likören, die als Geschenk gedacht sind. Für den Eigengebrauch lassen wir sie meist weg. Die natürliche Farbe signalisiert echte Himbeeren ohne Zusätze.

Flaschen sterilisieren verhindert Schimmel
Likörflaschen müssen vor dem Abfüllen sterilisiert werden. Eierlikör enthält rohes Eigelb und ist dadurch anfälliger für Verderb als reine Alkohol-Zucker-Liköre. Wir spülen die Flaschen heiß aus, füllen sie mit kochendem Wasser und lassen sie 5 Minuten stehen. Dann wird das Wasser ausgegossen und die Flaschen kopfüber auf einem sauberen Tuch getrocknet.
Der Likör wird direkt nach dem Kochen heiß in die Flaschen gefüllt. Das reduziert die Keimbelastung weiter. Im Kühlschrank hält sich der verschlossene Likör mindestens 4 Wochen. Nach dem Öffnen sollte die Flasche innerhalb von 10 Tagen verbraucht werden.

Frucht-Eierlikör-Varianten nach demselben Prinzip
Das Grundrezept funktioniert mit allen Beerensorten und weichem Steinobst. Erdbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren werden wie Himbeeren behandelt: pürieren, durch ein Sieb streichen, mit Eigelb und Sahne zu Likör einkochen. Aprikosen und Pfirsiche müssen vorher geschält und entkernt werden, das Mark ist nach dem Pürieren glatt genug für direktes Weiterverarbeiten ohne Sieb.
Bananen und Mango ergeben dickere Liköre mit fast puddingartiger Konsistenz. Hier reduzieren wir die Sahne auf 200 g und erhöhen den Alkoholanteil auf 400 g, damit der Likör trinkbar bleibt. Zitrusfrüchte funktionieren nicht, weil die Säure die Emulsion zum Gerinnen bringt.
Weitere Rezepte für Thermomix® Liköre: Klassischer Eierlikör, Schoko-Eierlikör, Crema di Limoncello.

Himbeer-Eierlikör aus dem Thermomix®
Zutaten
- 200 g Zucker *
- 300 g Himbeeren * Frisch oder TK aufgetaut
- 300 g Himbeergeist *
- 5 Eigelb *
- 300 g Sahne *
- 2 Päckchen Vanillezucker
- 5 - 10 Tropfen Lebensmittelfarbe pink oder rot *
Anleitungen
- Zucker in den Mixtopf geben, 20 Sekunden/Stufe 10 zu Puderzucker mahlen und mit dem Spatel nach unten schieben.200 g Zucker
- Himbeeren zugeben, 8 Sekunden/Stufe 8 zerkleinern und mit dem Spatel nach unten schieben. Die Himbeeren durch ein Sieb streichen, Mixtopf ausspülen.300 g Himbeeren
- Himbeermark mit den restlichen Zutaten in den Mixtopf geben und 10 Minuten/70 °C/Stufe 3 erhitzen.300 g Himbeergeist, 5 Eigelb, 300 g Sahne, 2 Päckchen Vanillezucker, 5 - 10 Tropfen Lebensmittelfarbe pink oder rot
- Den fertigen Likör in sterilisierte Likörflaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren.









