Abacate ist der historische Vorläufer des Eierlikörs, lange bevor europäische Siedler auf die Idee kamen, Eigelb mit Rum zu mischen. Wir machen die brasilianische Variante mit Avocado statt Ei, weil die Frucht dieselbe cremige Textur liefert, ohne dass wir Eigelb erhitzen müssen. Das Ergebnis ist ein Likör, der nach 15 Minuten fertig ist und im Kühlschrank mindestens 2 Wochen hält.

Der Name Abacate kommt aus dem Tupi, der Sprache der Ureinwohner des Amazonas. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 17. Jahrhundert, als portugiesische Siedler die Frucht mit Zuckerrohrrum und Gewürzen mischten. Eierlikör, wie wir ihn heute kennen, entstand erst 200 Jahre später in Europa. Das Avocado-Rezept ist also das Original, nicht die Kopie.
Warum Avocado statt Eigelb funktioniert
Avocado hat von Natur aus 15 bis 20 Prozent Fett, je nach Sorte. Dieses Fett ist mehrfach ungesättigt und bindet beim Mixen mit Zucker und Alkohol zu einer stabilen Emulsion. Eigelb macht genau dasselbe, braucht dafür aber Hitze, damit das Lecithin die Bindung übernimmt. Bei Avocado passiert die Emulsion kalt, direkt im Mixtopf. Das spart den Kochschritt und macht den Likör haltbarer, weil keine rohen Eier im Spiel sind.
Wichtig ist der Reifegrad: Die Avocado darf nicht zu reif sein, sonst wird der Likör bitter. Wir drücken die Frucht mit dem Daumen leicht ein. Wenn sie nachgibt, aber noch Widerstand hat, ist sie richtig. Zu harte Avocados lassen sich nicht cremig mixen, zu weiche haben einen leicht ranzigen Geschmack, der durch den Rum nicht verschwindet.
Zuckerrohrrum als Pflicht, nicht als Option
Pitu Cachaça ist destillierter Zuckerrohrsaft, kein Melasse-Rum. Der Unterschied liegt im Ausgangsmaterial: Cachaça wird aus frischem Zuckerrohrsaft gebrannt, klassischer Rum aus dem Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Das gibt Cachaça einen leicht grasigen, fast gemüsigen Geschmack, der zur Avocado passt. Melasse-Rum ist süßer und überdeckt das Fett der Frucht, statt es zu tragen.
Falls du keinen Cachaça bekommst, nimm einen weißen Rum aus Kuba oder der Dominikanischen Republik. Brauner Rum oder Whisky funktionieren nicht, weil die Röstaromen gegen die Avocado arbeiten. Der Likör wird dann herb statt cremig.
Safran gibt die Farbe, nicht den Geschmack
Eine Prise Safran reicht, um den Likör goldgelb zu färben. Ohne Safran wird Abacate graugrün, weil das Fruchtfleisch oxidiert, sobald es mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Der Geschmack ändert sich kaum, aber die Optik macht den Unterschied zwischen einem trinkbaren Likör und einem Smoothie aus.

Safran kostet mehr als jede andere Zutat im Rezept, aber du brauchst nur 3 bis 5 Fäden pro Flasche. Wer ihn weglässt, kann den Likör trotzdem trinken, aber er sieht dann aus wie pürierter Spinat. Kurkuma als Ersatz funktioniert nicht, weil es dem Likör einen erdigen Beigeschmack gibt, der gegen das Fett der Avocado arbeitet.
Nur das hellgrüne Fruchtfleisch verwenden
Die Avocado hat drei Schichten: hellgrünes Fruchtfleisch direkt unter der Schale, dunkelgrünes Fleisch um den Kern und eine dünne braune Haut um den Stein. Wir verwenden nur das hellgrüne Fleisch, weil es das meiste Fett und die wenigsten Bitterstoffe enthält. Das dunkelgrüne Fleisch ist zwar essbar, macht den Likör aber dunkler und gibt ihm einen leicht metallischen Geschmack.

Am einfachsten löst du das Fleisch mit einem Esslöffel aus der Schale. Den Stein entfernst du, indem du mit einem scharfen Messer hineinhackst und ihn heraushebst. Die braune Haut um den Stein bleibt im Müll, genau wie die Schale.
Sojasahne statt Kuhmilch oder Kondensmilch
Traditionelles Abacate wird mit gezuckerter Kondensmilch gemacht, die den Likör schwerer und süßer macht. Wir verwenden Sojasahne, weil sie weniger Eigengeschmack hat und die Avocado nicht überdeckt. Kondensmilch würde den Likör wie ein Dessert schmecken lassen, nicht wie ein Getränk. Sojasahne hat außerdem keinen Milchzucker, der beim Lagern kristallisieren kann.

Falls du Kuhmilch-Sahne verwendest, nimm eine mit mindestens 30 Prozent Fett. Leichte Sahne oder Milch trennen sich nach ein paar Tagen im Kühlschrank, weil sie zu wenig Fett haben, um die Emulsion stabil zu halten.
30 Sekunden Stufe 8 sind die Schwelle
Die Avocado muss vollständig homogen werden, sonst bleiben Fasern im Likör, die sich beim Trinken unangenehm anfühlen. 30 Sekunden auf Stufe 8 sind die Mindestzeit, um das Fleisch komplett zu zerkleinern. Kürzer und du hast kleine Stücke, die sich am Flaschenboden absetzen. Länger brauchst du nicht, weil die Avocado schon weich ist und keine harten Fasern wie Karotten hat.
Nach dem Mixen ist der Likör sofort trinkbar, schmeckt aber besser, wenn er ein paar Stunden im Kühlschrank durchzieht. Die Aromen verbinden sich, und der Alkohol wird weniger scharf. Nach 24 Stunden hat der Likör seine endgültige Konsistenz erreicht.
Sterilisierte Flaschen verlängern die Haltbarkeit
Abacate hält im Kühlschrank mindestens 2 Wochen, wenn die Flasche sauber ist. Wir spülen die Flasche mit kochendem Wasser aus und lassen sie an der Luft trocknen. Das tötet die meisten Bakterien und Hefen, die den Likör verderben könnten. Ohne diesen Schritt wird der Likör nach 5 bis 7 Tagen ranzig, weil das Fett der Avocado oxidiert.

Falls der Likör nach ein paar Tagen bitter schmeckt, war die Avocado zu reif oder die Flasche nicht sauber. Du kannst den Likör nicht retten, musst ihn also wegschütten. Eine zu dunkle Farbe deutet auf eine überreife Frucht hin, eine zu helle auf zu wenig Avocado.
Servieren und Kombinationen
Abacate wird eiskalt getrunken, direkt aus dem Kühlschrank. Die optimale Trinktemperatur liegt bei 8 bis 10 Grad Celsius. Wärmer und das Fett der Avocado schmeckt ölig, kälter und der Alkohol betäubt die Zunge. Wir servieren den Likör in kleinen Gläsern, weil er sehr sättigend ist. 50 Milliliter reichen als Portion.
Zum Dessert passt Abacate besonders gut zu Brownies aus dem Thermomix oder Mango-Sorbet aus dem Thermomix. Die Säure der Mango schneidet durch das Fett der Avocado und macht den Likör leichter. Zu Schokolade funktioniert er weniger gut, weil beide Komponenten sehr fett sind und sich im Mund zu schwer anfühlen.

Avocado-Eierlikör - Abacate aus dem Thermomix®
Zutaten
- 100 g Zucker *
- 125 g Sojasahne
- 125 g Pitu Cachaca Zuckerrohrrum
- 1 Prise Safran
- 1 Avocado (ca. 150 g Fruchtfleisch) (nicht zu reif)
Anleitungen
- Zucker in den Mixtopf geben und 10 Sekunden/Stufe 10 pulverisieren.100 g Zucker
- Sojasahne, Rum und Safran zugeben und 10 Sekunden/Stufe 7 vermengen.125 g Sojasahne, 125 g Pitu Cachaca, 1 Prise Safran
- Avocado halbieren, Stein entfernen, Fruchtfleisch in den Mixtopf geben und 30 Sekunden/Stufe 8 mixen.1 Avocado (ca. 150 g Fruchtfleisch)
- In die sterilisierte Flasche füllen, dicht verschließen und kalt genießen.










Überraschend lecker! Als großer Avocado Fan musste ich das Rezept ausprobieren. Meinen Besuchern hat es auch geschmeckt. Anders aber gut 😉
Das wusste ich noch gar nicht. Interessanter Artikel und danke für das leckere Rezept.
Mal was neues, lecker! Mussten aber etwas nach dem Rum suchen