Rotweinkuchen lebt von einer Kleinigkeit, die kaum jemand bewusst wahrnimmt: Der Wein bringt Säure mit, und genau diese Säure aktiviert das Backpulver. Wir bekommen dadurch eine Krume, die gleichzeitig saftig und locker ist, ohne dass wir Joghurt, Buttermilch oder Mineralwasser dazugeben müssten. Der Rotwein erledigt beides auf einmal.

Wir backen diesen Kuchen seit Jahren regelmäßig, vor allem im Herbst und an kühlen Wochenenden, wenn ohnehin eine angefangene Flasche Rotwein in der Küche steht. Die Reste vom Sonntagsbraten reichen exakt für eine Form 26 cm. Daraus ist mit der Zeit ein festes Hausrezept geworden, das wir hier so weitergeben, wie wir es selbst aus dem Thermomix® holen.
Warum die Säure im Wein den Unterschied macht
Backpulver besteht aus Natron und einem Säureträger. Damit es richtig treibt, braucht es Feuchtigkeit und eine zweite Säurequelle, die das Natron sauber neutralisiert. In den meisten Rührteigen übernehmen Eier und Milch diesen Job nur zur Hälfte. Rotwein hat einen pH-Wert um 3,3 bis 3,6, ähnlich wie Buttermilch. Sobald die 160 g Rotwein auf das halbe Päckchen Backpulver treffen, beginnt die Reaktion sofort. Genau deshalb mixen wir den Teig im Thermomix® auch nur kurz auf Stufe 4 für 20 Sekunden, gerade lange genug, um alles zu binden, ohne das Treibmittel verpuffen zu lassen.
Der zweite Effekt: Alkohol verdunstet beim Backen, die Aromen bleiben. Was im fertigen Kuchen ankommt, sind die Tannine und die Fruchtnoten, also genau das, was Rotwein und Schokolade zu einem so verlässlichen Paar macht. Wir nutzen diese Verwandtschaft, indem wir 100 g Vollmilchschokolade plus 1 EL Backkakao in den Teig geben. Die Bitterstoffe im Kakao greifen die Gerbstoffe des Weins auf, das Ergebnis schmeckt erwachsen, aber nicht streng.

Welcher Rotwein passt in den Teig
Die Faustregel in unserer Küche: Was im Glas trinkbar ist, ist auch im Kuchen trinkbar. Edle Lagen sind Geldverschwendung, weil die feinen Aromen beim Backen ohnehin verloren gehen. Was wir aber meiden: harte, billige Tafelweine und stark geschwefelte Sorten. Beides hinterlässt eine bittere Kante, die selbst die Schokolade nicht mehr abfängt.
Bewährt haben sich bei uns drei Stilrichtungen. Ein junger Dornfelder bringt viel Frucht und macht den Kuchen kindgerechter, weil die Säure milder ausfällt. Ein einfacher Merlot oder Spätburgunder liefert die runde Mitte, nicht zu trocken, nicht zu süß. Wer es kräftiger mag, nimmt einen Primitivo oder Zinfandel, dann tritt die Beerennote im fertigen Kuchen deutlicher hervor. Süße Dessertweine wie Portwein funktionieren nicht, sie bringen zu viel Restzucker mit und der Teig wird klebrig.
Was beim Mixen oft schiefgeht
Der häufigste Fehler ist kalte Butter. Wenn die 250 g Butter direkt aus dem Kühlschrank kommen, schlagen sich Zucker, Vanillezucker, Eier und Butter in 3 Minuten auf Stufe 4 nicht richtig schaumig. Es bleiben Klumpen und der spätere Teig wird ungleichmäßig. Wir legen die Butter mindestens zwei Stunden vor dem Backen aus dem Kühlschrank, im Sommer reicht eine Stunde. Wer es vergessen hat, kann die Butter in Stücken in den Mixtopf geben und kurz 2 Minuten/37 °C/Stufe 2 erwärmen, bevor Zucker und Eier dazukommen. So wird sie cremig, ohne zu schmelzen.
Der zweite typische Stolperstein ist zu langes Mixen, nachdem das Mehl im Topf ist. Mehl, Backpulver, Backkakao, Rotwein und die zerkleinerte Schokolade kommen zusammen und brauchen nur 20 Sekunden auf Stufe 4. Wer den Teig länger laufen lässt, weil er optisch noch nicht homogen genug aussieht, baut Glutenstränge auf. Das macht den Kuchen zäh statt locker. Lieber kurz mit dem Spatel nachhelfen und ein paar dunkle Schlieren akzeptieren, sie verschwinden im Ofen ohnehin.
Drittens passiert es schnell, dass der Kuchen außen zu dunkel und innen noch feucht wird. Bei 180 °C Ober- und Unterhitze auf der mittleren Schiene rechnen wir mit 50 Minuten in einer 26 cm Form. Heißluft trocknet den Rand zu stark aus, deshalb backen wir bewusst klassisch. Stäbchenprobe nach 45 Minuten machen, im Zweifel noch 5 Minuten draufgeben. Die ersten zwei Mal lohnt sich das Mitschauen mit der Backofenleuchte, jeder Ofen hat seine Eigenheiten.
Glasur, Guss oder nur Puderzucker
Pur ist der Kuchen schon angenehm intensiv. Wer ihn für den Alltagskaffee bäckt, kommt mit einer Lage selbstgemachtem Puderzucker aus dem Thermomix® aus. Für Geburtstage und Feiertage geben wir mehr Tiefe dazu.
Schokoladenglasur: Wir nehmen 150 g Vollmilch- oder Zartbitterkuvertüre, geben sie in den sauberen Mixtopf und schmelzen sie 4 Minuten/50 °C/Stufe 2. Direkt nach dem Stürzen über den noch leicht warmen Kuchen gießen, dann zieht die Glasur in die obere Schicht ein. Anleitung dazu im Beitrag Schokolade schmelzen im Thermomix®.
Rotweinguss: Variante mit doppelter Wein-Note. 200 g Puderzucker und 3 EL Rotwein im Mixtopf 30 Sekunden/Stufe 3 verrühren. Der Guss zieht beim Trocknen rosé an, Kinder dürfen mitessen, weil der Anteil minimal ist.
Klassischer Zuckerguss: Wer den Kuchen in der Schule oder bei Senioren mitbringt, nimmt unseren Thermomix® Zuckerguss mit Wasser und Zitronensaft. Die Säure des Zitronensafts greift die Beerennote im Kuchen schön auf.
Wie sich der Kuchen am dritten Tag verhält
Rotweinkuchen ist einer der wenigen Rührkuchen, die mit jedem Tag besser werden. Direkt nach dem Backen schmeckt er etwas alkoholisch, manche unserer Kinder rümpfen am Anschnitt-Tag noch die Nase. Nach 24 Stunden unter einer Glashaube hat sich das Aroma gesetzt, der Kuchen wirkt runder und die Schokolade kommt klarer durch. Am dritten Tag ist er auf dem Punkt.
Aufbewahrung bei Zimmertemperatur unter einer Käseglocke oder Tortenhaube, nicht in einer dichten Plastikdose. Plastik fängt Feuchtigkeit ab und der Boden wird klamm. So gelagert hält der Kuchen problemlos vier bis fünf Tage. Im Kühlschrank verliert er Aroma und wird bröselig, das vermeiden wir.
Einfrieren funktioniert sehr gut, am besten in Stücken portionsweise auf einem Brett vorfrieren und dann in den Gefrierbeutel umpacken. So lassen sich später einzelne Stücke entnehmen. Auftauen am Abend zuvor bei Zimmertemperatur, dann ist die Krume morgens wieder saftig wie frisch gebacken. Eine bereits aufgetragene Glasur überlebt das Einfrieren weniger gut, deshalb glasieren wir bei Vorratsbacken erst nach dem Auftauen.
Wozu wir den Kuchen servieren
Zum Nachmittagskaffee passt eine kräftige Tasse Espresso oder ein dunkler Filterkaffee, die Bitterkeit balanciert die Schokolade. Abends machen wir oft eine Schüssel Sahne dazu, lose geschlagen mit etwas Vanille. Wer es noch erwachsener mag, reicht ein kleines Glas vom selben Rotwein, der im Teig steckt, gerne leicht temperiert.
Als zweites Stück Kuchen auf der Geburtstagstafel hat er sich neben unserem Käsekuchen ohne Boden bewährt. Heller, leichter Käsekuchen plus dunkler, dichter Rotweinkuchen, das sind zwei Welten auf einer Platte und beide sind in derselben Stunde aus dem Thermomix® gekommen.

Rotweinkuchen aus dem Thermomix®
Zutaten 0 / 9 ✓
- 100 g Vollmilchschokolade gekühlt
- 250 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 250 g Butter zimmerwarm+ mehr zum Einfetten
- 5 Ei
- 300 g Mehl, Type 405
- 1/2 Päckchen Backpulver
- 1 EL Backkakao (ungesüßt)
- 160 g Rotwein
Anleitung 0 / 6
-
1
Schokolade hacken.
Kalte Schokolade in Stücken in den Mixtopf geben, 6 Sekunden/Stufe 8 hacken und beiseite geben.
- 100 g Vollmilchschokolade
-
2
Backofen heizen.
Backofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen und Kuchenform mit Butter einfetten.
-
3
Teigzutaten schaumig schlagen.
Zucker, Vanillezucker, Butter und Eier in den Mixtopf geben und 3 Minuten/Stufe 4 schaumig schlagen.
- 250 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 250 g Butter
- 5 Ei
-
4
Teig mixen.
Mehl, Backpulver, Backkakao, Rotwein und zerkleinerte Schokolade zugeben und 20 Sekunde/Stufe 4 mischen.
- 300 g Mehl, Type 405
- 1/2 Päckchen Backpulver
- 1 EL Backkakao (ungesüßt)
- 160 g Rotwein
-
5
Rotweinkuchen backen.
Teig in die Kuchenform geben und auf der mittleren Schiene des Backofens ca. 50 Minuten backen. Stäbchenprobe machen.
-
6
Kuchen abkühlen lassen.
Kuchen etwas abkühlen lassen und auf eine Kuchenplatte stürzen.
Tipp: Nach dem Abkühlen kannst du den Kuchen mit Puderzucker bestreuen oder mit Rotweinglasur bestreichen.









