Der Thermomix® gibt Tomaten das, was industrielle Tomatenmark-Hersteller mit tonnenschweren Maschinen erreichen: zerbrochene Zellwände für 4-fach höhere Lycopin-Aufnahme. Nur dass wir dabei die Kontrolle über Hitze, Zeit und Zutaten behalten.

Wenn wir frische Tomaten bei Stufe 5 bis 10 im Thermomix® zerkleinern und gleichzeitig auf 100 °C erhitzen, passiert auf Zellebene genau das, was in Fabriken mit Hochdruck-Passiermaschinen erreicht wird: Die Zellwände brechen, das fettlösliche Lycopin wird freigesetzt. Der Unterschied zu industriellem Tomatenmark ist die Temperaturkontrolle. Übererhitzen zerstört hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C und Folsäure. Der Thermomix® bleibt unter 120 °C (bei TM5/TM6 mit Anbraten-Funktion) und lässt uns entscheiden, wie lange wir Tomaten verarbeiten. Studien der University of Barcelona zeigen: Gekochte Tomatenprodukte liefern bis zu 4-mal mehr nutzbares Lycopin als rohe Früchte (Verbraucherzentrale, 02.01.2026). Tomatenmark enthält 55 mg Lycopin pro 100 g, Tomatensauce 20 mg, frische Tomaten nur 5 bis 10 mg.
Warum der Thermomix® Tomaten anders verarbeitet als jeder Topf
Das Mixmesser rotiert bei Stufe 10 mit mehreren tausend Umdrehungen pro Minute. Diese mechanische Kraft zerstört die Zellwände der Tomaten ähnlich wie industrielle Maschinen. Gleichzeitig können wir über die Temperatur steuern, welche Inhaltsstoffe wir erhalten wollen. Bei 100 °C und 10 Minuten wird all-trans-Lycopin in cis-Form umgewandelt, die vom Körper besser aufgenommen wird (University of Barcelona, Zentrum der Gesundheit 09.10.2008). Ein normaler Pürierstab im Topf erreicht diese Kombination aus mechanischem Druck und kontrollierter Hitze nicht. Entweder wird die Tomate nur grob zerkleinert, oder wir kochen sie zu lange und verlieren hitzeempfindliche Vitamine.
Wir nutzen diese Mechanik besonders bei Tomatensaucen und Suppen: Tomaten vierteln, in den Mixtopf geben, 10 Minuten / 100 °C / Linkslauf / Stufe 1 garen, dann 30 Sekunden / Stufe 5 bis 7 pürieren. Der Linkslauf verhindert, dass die Tomaten beim Garen zu stark zerkleinert werden, die finale Pürierung bricht die Zellwände gezielt auf. Das Ergebnis ist cremiger als jede Sauce aus dem Topf, weil das freigesetzte Lycopin die Textur mitgestaltet.
San Marzano, Roma, Fleischtomate: Welche Sorte für welches Thermomix®-Rezept
Nicht jede Tomate liefert das gleiche Ergebnis im Thermomix®. Der Wassergehalt, die Festigkeit des Fruchtfleischs und die Anzahl der Samen bestimmen, wie sich die Tomate beim Mixen verhält.

San Marzano-Tomaten haben dickeres Fleisch, 30 % mehr Süße und weniger Säure als Roma-Tomaten (Wikipedia, April 2026). Sie enthalten weniger Wasser und weniger Samen, deshalb werden Saucen aus San Marzano-Tomaten im Thermomix® schneller dickflüssig. Wir verwenden sie für klassische Tomatensaucen, Pastagerichte und Suppen, wenn wir eine dichte, cremige Konsistenz wollen. Echte San Marzano-Tomaten tragen das PDO-Siegel aus dem Valle del Sarno in Italien. Roma-Tomaten sind eine 1955er Kreuzung aus San Marzano (USDA), günstiger und oft in deutschen Supermärkten verfügbar. Sie funktionieren im Thermomix® genauso gut, werden aber etwas wässriger.
Fleischtomaten haben einen milderen Geschmack und viel Fruchtfleisch. Im Thermomix® werden sie schnell breiig, deshalb pürieren wir sie kürzer (5 bis 10 Sekunden Stufe 4 bis 5). Sie eignen sich für Suppen, bei denen wir eine stückige Textur wollen, oder für Dips wie Salsa. Strauchtomaten und Cocktailtomaten sind süßer und fester. Wir nutzen sie für Salate oder halbieren sie und garen sie im Varoma über einer Suppe, wenn wir eine fruchtige Note als Topping wollen. Im Mixtopf selbst verwenden wir sie selten, weil ihre Schale zäh bleibt und Fasern in der Sauce hinterlässt.
Gelbe Tomaten und Grüne Zebra-Tomaten haben einen zitrusartigen, weniger tomatigen Geschmack. Sie funktionieren im Thermomix® technisch genauso wie rote Sorten, bringen aber eine andere Aromen-Richtung. Wir verwenden sie für ungewöhnliche Saucen oder als optischen Kontrast in kalten Suppen.
Tomaten lagern: Was stimmt, was ist Mythos
Der häufigste Ratschlag lautet: Tomaten niemals in den Kühlschrank. Das stimmt nur teilweise. Eine Studie der Universität Göttingen aus dem Jahr 2020 zeigt: Kurzzeitige Lagerung bis 4 Tage bei 7 °C hat keinen messbaren Einfluss auf Geschmack, Zucker- oder Säuregehalt (Kraut & Rüben, 26.01.2026). Volatile Aromastoffe gehen erst bei längerer Kühlung über 7 Tage verloren. Die Sorte ist entscheidender als die Temperatur.

Optimal sind 12 bis 16 °C für normale Tomaten, 15 bis 18 °C für Rispentomaten (Ökotest, 17.09.2024). Bei Raumtemperatur halten sich reife Tomaten bis zu 14 Tage. Unreife Tomaten reifen bei 18 bis 20 °C nach. Wichtig: Tomaten nie neben Äpfeln oder Bananen lagern. Diese geben Ethylen ab, ein Reifegas, das Tomaten schneller weich werden lässt.
Für Thermomix®-Rezepte verwenden wir oft Tomaten, die nicht mehr perfekt aussehen. Weiche Stellen oder kleine Druckstellen sind kein Problem, wenn wir die Tomaten pürieren. Wir schneiden beschädigte Stellen einfach heraus. Tomaten mit grünen Stellen oder komplett grüne, unreife Tomaten enthalten Solanin und sollten nicht verarbeitet werden.
Rösten, Schmoren, Roh: Welche Temperatur holt was aus der Tomate
Temperatur entscheidet, welche Aromen und Inhaltsstoffe in der Tomate dominant werden. Rohe Tomaten liefern viel Vitamin C, aber wenig nutzbares Lycopin. Gekochte Tomaten verlieren einen Teil des Vitamin C, setzen aber das 4-fach höhere Lycopin frei.
Im Thermomix® nutzen wir drei Temperaturbereiche:
100 °C (Kochen): Standard für Saucen, Suppen, Eintöpfe. Bei 10 Minuten / 100 °C / Linkslauf / Stufe 1 garen Tomaten durch, bleiben aber noch stückig. Für cremige Saucen danach 30 Sekunden / Stufe 5 bis 7 pürieren. Das setzt Lycopin frei, ohne dass die Sauce anbrennt.
Varoma (circa 120 °C Dampf): Schonender als direktes Kochen, weil kein mechanischer Kontakt mit dem Mixmesser besteht. Wir nutzen den Varoma, wenn wir Tomaten für Salate oder als Beilage garen wollen. Die Tomate bleibt in Form, wird aber weicher und süßer. Garzeit 15 bis 20 Minuten / Varoma / Stufe 1 bei gefülltem Mixtopf mit Wasser.
120 °C Anbraten (nur TM5/TM6): Für intensiven, karamellisierten Geschmack. Tomaten vierteln, mit etwas Olivenöl in den Mixtopf geben, 8 Minuten / 120 °C / Linkslauf / Stufe 1. Der Zucker in den Tomaten karamellisiert, gleichzeitig verdampft Wasser. Das Ergebnis ist süßer und konzentrierter als bei 100 °C. Diese Methode nutzen wir für Tomatensaucen, die lange halten sollen, oder für Tomatenmark.

Wenn wir Tomaten vor der Verarbeitung im Backofen rösten wollen, gelten andere Temperaturen: 120 °C für 1,5 bis 2 Stunden ergibt süße, karamellisierte Tomaten ohne Bitterkeit (Mediterrane Delites, 01.11.2025). 180 bis 200 °C für 30 bis 40 Minuten erzeugt intensivere, leicht rauchige Aromen durch die Maillard-Reaktion (Aline Made, 08.11.2023). Geröstete Tomaten geben wir dann in den Thermomix® und pürieren sie bei Stufe 5 für 10 Sekunden.
Olivenöl plus Tomaten gleich 21-fach höhere Wirkung
Lycopin ist fettlöslich. Ohne Fett nimmt der Körper kaum Lycopin auf, selbst wenn wir Tomaten lange kochen. Eine Studie der University of Lleida in Spanien zeigt: Olivenöl steigert die Carotinoid-Aufnahme um Faktor 21 im Vergleich zu Sonnenblumenöl (Zentrum der Gesundheit, 28.02.2026). Der Grund sind die Polyphenole im Olivenöl, die die Lycopin-Moleküle stabilisieren und die Darmaufnahme verbessern.
Wir geben deshalb bei allen Thermomix®-Tomatenrezepten mindestens 1 bis 2 Esslöffel Olivenöl direkt zu Beginn in den Mixtopf. Bei Tomatensaucen erhöhen wir auf 3 bis 4 Esslöffel. Das Öl emulgiert während des Mixens mit der Tomatenmasse und macht die Sauce cremiger. Gleichzeitig steigt die Lycopin-Bioverfügbarkeit messbar an.
Diese Kombination ist nicht neu. Die mediterrane Küche nutzt Tomate plus Olivenöl seit Jahrhunderten. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren nachgewiesen, warum diese Kombination funktioniert. Hoher Lycopin-Spiegel im Blut senkt das Schlaganfall-Risiko um 55 % (University of Eastern Finland, Studie mit 1031 Männern über 12 Jahre, Zentrum der Gesundheit).
Tomatenmark, Sauce, Saft: Haltbarmachen im Thermomix®
Frische Tomaten verarbeiten wir im Thermomix® zu haltbaren Produkten, wenn wir im Sommer zu viele Tomaten haben oder günstige Angebote nutzen wollen. Die drei häufigsten Formen sind Tomatenmark, Tomatensauce und Tomatensaft.

Tomatenmark: 1000 g Tomaten vierteln, in den Mixtopf geben, 40 Minuten / 100 °C / Linkslauf / Stufe 1 ohne Messbecher kochen. Dabei verdampft Wasser, die Masse wird dick. Danach 1 Minute / Stufe 7 pürieren. Das Mark ist dunkelrot und konzentriert. Wir füllen es in sterile Gläser und verschließen sie sofort. Im Kühlschrank hält sich das Mark 2 Wochen, eingefroren mehrere Monate.
Tomatensauce: 1500 g Tomaten, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 3 Esslöffel Olivenöl, Salz, Zucker, Basilikum. Zwiebel und Knoblauch 5 Sekunden / Stufe 5 zerkleinern, Olivenöl dazu, 3 Minuten / 100 °C / Linkslauf / Stufe 1 anschwitzen. Tomaten dazu, 20 Minuten / 100 °C / Linkslauf / Stufe 1 kochen, dann 30 Sekunden / Stufe 5 pürieren. Gewürze und Basilikum 10 Sekunden / Linkslauf / Stufe 3 unterrühren. In sterile Gläser füllen, sofort verschließen. Hält im Kühlschrank 1 Woche.
Tomatensaft: 1500 g reife Tomaten, 1 Selleriestange, 1 entkernte Chilischote, 1 Esslöffel Olivenöl, Salz, Zucker, Pfeffer. Alles in den Mixtopf geben, 1 Minute / Stufe 10 pürieren, dann 10 Minuten / 100 °C / Stufe 1 erhitzen. Durch ein feines Sieb passieren, in Flaschen füllen. Nach dem Öffnen 1 Woche im Kühlschrank haltbar. Basis für Bloody Mary oder als Marinade für Fleisch.
Wichtig beim Haltbarmachen: Gläser und Deckel müssen steril sein. Wir kochen sie 10 Minuten in kochendem Wasser aus und lassen sie auf einem sauberen Tuch abtropfen. Die heiße Tomatenmasse sofort einfüllen, Deckel aufschrauben, Gläser auf den Kopf stellen für 10 Minuten. Das erzeugt ein Vakuum, die Gläser sind dann mehrere Monate bei kühler, dunkler Lagerung haltbar.
11 Thermomix®-Tomatenrezepte: Von Suppe bis Aufstrich
Wir haben unsere meistgekochten Tomatenrezepte für den Thermomix® zusammengestellt. Jedes Rezept nutzt die Mechanik, die wir oben beschrieben haben: kontrollierte Temperatur, mechanische Zellwand-Zerstörung, Olivenöl als Lycopin-Booster.











Weitere Thermomix®-Rezeptsammlungen findest du unter Thermomix® Rezepte und Suppen aus dem Thermomix®.
